Sicherheit & Betrug
Auf Betrug hereingefallen? Ihr Notfallplan Schritt für Schritt
Betrüger sind geschickt. Sie arbeiten mit Druck, Mitleid und gut erfundenen Geschichten – und sie haben schon sehr viele kluge Menschen getäuscht. Die Polizei sagt dazu klar: Geben Sie sich keine Mitschuld. Wichtig ist jetzt nur eins: schnell und überlegt zu handeln. Dieser Plan hilft Ihnen dabei.
Akute Gefahr? Sofort 110 wählen
Rufen Sie die Polizei unter 110, wenn
- Sie bedroht werden,
- gleich jemand vorbeikommen will, um Geld oder Wertsachen abzuholen,
- Sie gerade erst etwas übergeben haben.
Schritt 1: Geld überwiesen? Sofort die Bank anrufen
Rufen Sie so schnell wie möglich Ihre Bank oder Sparkasse an. Laut Polizei kann das Geld in einigen Fällen noch zurückgeholt werden – je früher, desto besser.
- Die richtige Nummer steht auf Ihrer Bankkarte, auf Ihrem Kontoauszug oder auf der Internetseite Ihrer Bank.
- Nehmen Sie nie eine Nummer aus der verdächtigen Nachricht oder dem Anruf.
- Haben Sie mit Kreditkarte bezahlt, fragen Sie Ihre Bank, ob Sie die Zahlung zurückholen können. Die Verbraucherzentrale nennt dafür das „Charge-Back-Verfahren“.
Schritt 2: Karte und Konto sperren
Haben Sie Bankdaten, PIN, TAN oder Zugangsdaten zum Online-Banking verraten? Dann lassen Sie Konto und Karten sofort sperren. Das geht bei Ihrer Bank oder über den Sperr-Notruf 116 116.
Der Sperr-Notruf
- ist rund um die Uhr erreichbar, auch an Feiertagen,
- sperrt zum Beispiel girocard, Kreditkarte, Online-Banking, die Online-Funktion des Personalausweises und SIM-Karten,
- ist aus dem deutschen Festnetz kostenlos. Aus dem Mobilfunknetz können Gebühren anfallen,
- ist aus dem Ausland unter +49 116 116 oder +49 30 4050 4050 erreichbar.
Halten Sie Ihre IBAN bereit und notieren Sie die Uhrzeit der Sperrung.
Vorsicht vor dem zweiten Anruf
Betrüger melden sich manchmal ein zweites Mal – zum Beispiel als angeblicher Mitarbeiter des Sperr-Notrufs oder der Bank. Dabei kann sogar „116 116“ im Display stehen. Doch der Sperr-Notruf ruft niemals an, und die Polizei ruft nie von der 110 an. Polizei, Banken und Behörden fragen auch niemals am Telefon nach PIN oder TAN. Legen Sie in solchen Fällen einfach auf.
Schritt 3: Passwörter ändern und Konten absichern
Haben Sie ein Passwort verraten oder auf einer verdächtigen Seite eingegeben? Ändern Sie es sofort – und zwar überall dort, wo Sie dasselbe Passwort benutzen.
Haben Sie einen WhatsApp-Bestätigungscode weitergegeben? Dann kann jemand anderes Ihr Konto übernommen haben. Wie Sie es zurückholen, steht in WhatsApp-Konto schützen und zurückholen.
Schritt 4: Auf einen Link getippt oder eine App installiert?
Die Verbraucherzentrale rät:
- Schalten Sie das Smartphone in den Flugmodus. Dann kann eine schädliche App keine Daten mehr über das Internet senden.
- Machen Sie Bildschirmfotos als Beweis.
- Informieren Sie Ihren Mobilfunkanbieter. Fragen Sie nach einem Nachweis über mögliche Kosten, zum Beispiel für verschickte SMS.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.
Im schlimmsten Fall muss das Handy auf den Werkszustand zurückgesetzt werden. Lassen Sie sich dabei am besten helfen – zum Beispiel von einer vertrauten Person oder in einem Fachgeschäft.
Mehr dazu: Betrugs-SMS erkennen.
Schritt 5: Beweise sichern
Bevor Sie etwas löschen, sichern Sie alles, was der Polizei helfen kann:
- Bildschirmfotos von Nachrichten und dem ganzen Chatverlauf
- die Telefonnummer oder den Absender
- Datum und Uhrzeit von Anrufen und Nachrichten
- Überweisungsbelege oder Kontoauszüge
- eine kurze Notiz: Was ist passiert? Was wurde gesagt?
Schritt 6: Anzeige bei der Polizei erstatten
Erstatten Sie auf jeden Fall Anzeige – auch wenn der Schaden klein erscheint. Das können Sie bei jeder Polizeidienststelle tun. Außerdem gibt es in allen Bundesländern eine Onlinewache, über die Sie Anzeige im Internet erstatten können. Die Onlinewache ist aber nicht für Notfälle geeignet – dafür gilt immer die 110.
Schritt 7: Sich Unterstützung holen
Ein Betrug kann sehr belasten – auch wenn kein Geld verloren ging. Sprechen Sie mit einer vertrauten Person darüber.
Der WEISSE RING hilft Opfern von Kriminalität. Sein Opfer-Telefon erreichen Sie unter der kostenfreien Nummer 116 006.
Für Angehörige
Machen Sie keine Vorwürfe – Scham hält viele Betroffene davon ab, Hilfe zu holen. Helfen Sie lieber ganz praktisch: Bank anrufen, Bildschirmfotos machen, zur Polizei begleiten. Drucken Sie diesen Notfallplan aus und legen Sie ihn neben das Telefon.
Notfallplan zum Aufbewahren
- Akute Gefahr oder Geldabholung angekündigt: 110
- Geld überwiesen: sofort die eigene Bank anrufen. Nummer meiner Bank: ______________
- Karte oder Online-Banking sperren: Sperr-Notruf 116 116 (rund um die Uhr)
- IBAN bereithalten und Uhrzeit der Sperrung notieren.
- Bildschirmfotos von Nachrichten, Nummern und Überweisungen machen.
- Passwörter ändern, wenn ich sie verraten habe.
- Link angetippt und App installiert? Flugmodus einschalten.
- Anzeige bei der Polizei erstatten.
- Mit jemandem reden: Opfer-Telefon des Weissen Rings 116 006 (kostenfrei)
- Wichtig: Die Polizei ruft nie von der 110 an. Der Sperr-Notruf ruft nie an.
Quelle: netzleicht.de/artikel/betrug-was-tun/ · Stand: 30. Oktober 2026
Quellen und Prüfung
Diese Anleitung stützt sich auf folgende Quellen. Zuletzt inhaltlich geprüft am 30. Oktober 2026.
- Sperr-Notruf 116 116 e.V.: Karte sperren unter 116 116
- Sperr-Notruf 116 116 e.V.: Pressemeldung: Der Sperr-Notruf 116 116 ruft niemals an (26.11.2024)
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Messenger-Betrug
- Verbraucherzentrale: Paketdienst-SMS: Vorsicht, Abzocke!
- Stiftung Warentest: Strafanzeige: So erstatten Sie eine Online-Anzeige
- WEISSER RING e. V.: Hilfe für Kriminalitätsopfer
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