Sicherheit & Betrug
Enkeltrick, Schockanruf, falsche Polizisten: So reagieren Sie richtig
Das Telefon klingelt. Eine aufgeregte Stimme sagt, Ihr Sohn habe einen schweren Unfall verursacht und brauche sofort Geld für eine Kaution. Oder ein freundlicher „Polizeibeamter“ warnt, Ihr Erspartes sei zu Hause nicht mehr sicher. Solche Anrufe – bekannt als Enkeltrick oder Schockanruf – sollen Sie überrumpeln. Mit ein paar einfachen Regeln lassen Sie sich davon nicht einfangen.
Die drei häufigsten Maschen
Alle drei Maschen funktionieren ähnlich: Die Anrufer erfinden eine Notlage, machen Druck und wollen am Ende Geld oder Wertsachen.
Der Schockanruf: Jemand gibt sich als Angehöriger, Polizist oder Rechtsanwalt aus. Angeblich hat ein Verwandter einen schweren Unfall verursacht. Nur mit einer „Kaution“ in bar oder in Wertsachen könne er das Gefängnis vermeiden.
Der Enkeltrick: Ein Anrufer tut so, als sei er Ihr Enkel oder ein anderer Verwandter. Er nennt seinen Namen oft nicht, sondern fragt: „Rate mal, wer hier spricht?“ Dann bittet er kurzfristig um Bargeld – angeblich für einen Notfall, einen Unfall oder einen dringenden Kauf.
Falsche Polizisten: Die Anrufer behaupten, von der Polizei zu sein. Sie erzählen zum Beispiel, Ihr Geld sei auf der Bank oder zu Hause nicht mehr sicher. Ein „Kollege“ komme vorbei, um es abzuholen.
Die wichtigste Regel: Auflegen
Die Polizei sagt es ganz deutlich: Legen Sie sofort auf! Das ist nicht unhöflich. Es verschafft Ihnen Zeit, durchzuatmen und in Ruhe nachzudenken.
Sie müssen nichts erklären und sich nicht verabschieden. Ein einfaches Auflegen reicht.
So prüfen Sie, ob ein Anruf echt ist
- Selbst zurückrufen. Rufen Sie die Person unter einer Nummer an, die Sie schon kennen – zum Beispiel aus Ihrem Telefonbuch.
- Bei Behörden die Nummer selbst heraussuchen. Behauptet jemand, von der Polizei oder einem Amt zu sein, suchen Sie die Telefonnummer selbst heraus oder fragen Sie die Telefonauskunft.
- Den Namen selbst nennen lassen. Raten Sie nicht, wer anruft. Bitten Sie den Anrufer, seinen Namen selbst zu nennen.
- Fragen stellen. Fragen Sie etwas, das nur der echte Verwandte wissen kann.
- Eine vertraute Person einbeziehen. Geht es um Geld oder Wertsachen, besprechen Sie das immer erst mit Familie oder Freunden.
Die Nummer im Display beweist nichts
Betrüger können die angezeigte Nummer fälschen. Das nennt man „Call-ID-Spoofing“. Im Display kann dann eine Nummer aus Ihrer Gegend erscheinen – sogar die 110. Doch die echte Polizei ruft niemals von der 110 an.
Was die echte Polizei niemals tut
- Sie bittet Sie niemals am Telefon um Geld.
- Sie fragt niemals nach Bargeld oder Schmuck.
- Sie verwahrt niemals Geld oder Wertsachen für Bürgerinnen und Bürger.
- Sie schickt niemals jemanden vorbei, um Ihr Erspartes abzuholen.
Übergeben Sie deshalb niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte – auch nicht an jemanden, der sich als Polizist ausgibt.
Wenn jemand vor der Tür steht
- Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in Ihre Wohnung.
- Lassen Sie sich von angeblichen Amtspersonen den Dienstausweis zeigen.
- Im Zweifel rufen Sie bei der Behörde an – mit einer Nummer, die Sie selbst herausgesucht haben. Lassen Sie den Besucher vor der abgeschlossenen Tür warten, solange Sie telefonieren.
Wann Sie die 110 rufen
- Wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt.
- Wenn sich jemand angekündigt hat, um Geld oder Wertsachen abzuholen.
- Wenn Sie bereits Geld oder Wertsachen übergeben haben. Erstatten Sie dann auf jeden Fall Anzeige. Unser Notfallplan nach einem Betrug zeigt die nächsten Schritte.
So beugen Sie vor
- Familien-Kennwort vereinbaren. Die Polizei empfiehlt ein Kennwort, mit dem sich Angehörige am Telefon zu erkennen geben. Tragen Sie es nicht in die ausgedruckte Checkliste ein, wenn diese offen herumliegt.
- Telefonbucheintrag ändern. Ein voller Vorname kann verraten, dass Sie älter sind. Lassen Sie Ihren Vornamen abkürzen (aus „Herta Schmidt“ wird „H. Schmidt“) oder den Eintrag ganz löschen.
- Kein Bargeld horten. Bewahren Sie größere Geldbeträge und Wertsachen lieber auf der Bank auf als zu Hause.
- Gedanklich vorbereiten. Wer die Maschen kennt, erkennt sie im Ernstfall schneller.
Für Angehörige
Sprechen Sie mit Ihren Eltern oder Großeltern über diese Maschen – ohne Vorwürfe und ohne Angst zu machen. Vereinbaren Sie gemeinsam ein Kennwort. Und machen Sie klar: „Wenn ich wirklich Geld brauche, rufe ich dich selbst an. Du darfst jederzeit auflegen und mich zurückrufen.“
Checkliste: Verdächtiger Anruf
- Ich lege auf, wenn jemand Druck macht oder nach Geld fragt.
- Ich rufe die Person unter der Nummer an, die ich selbst kenne.
- Ich verlasse mich nicht auf die Nummer im Display – sie kann gefälscht sein.
- Ich nenne am Telefon keine Angaben zu Geld, Konto oder Wertsachen.
- Ich übergebe niemals Geld oder Schmuck an Unbekannte – auch nicht an „Polizisten“.
- Ich lasse keine Unbekannten in die Wohnung.
- Bei einem verdächtigen Anruf rufe ich die 110.
- Unser Familien-Kennwort lautet: ______________________
Quelle: netzleicht.de/artikel/schockanruf-enkeltrick/ · Stand: 30. Oktober 2026
Quellen und Prüfung
Diese Anleitung stützt sich auf folgende Quellen. Zuletzt inhaltlich geprüft am 30. Oktober 2026.
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Schockanrufe
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Vorsicht vor falschen Enkeln (Enkeltrick)
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Betrug durch falsche Polizisten
- Sperr-Notruf 116 116 e.V.: Pressemeldung: Der Sperr-Notruf 116 116 ruft niemals an (26.11.2024)
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